Blauwale führen ein etwas merkwürdiges „Logbuch“: es sieht aus wie eine schmutzige Kerze und riecht stark nach Fisch. Für Forscher ist das Ohrenschmalz eines Wals wissenschaftliches Gold. Weil sich das Schmalz lebenslang ansammelt, wird es immer dicker und sagt – ähnlich wie die Jahresringe eines Baumstammes – einiges über das Leben des Tieres aus.

Illustration: © Michael Rosskothen - Fotolia.com
Illustration: © Michael Rosskothen – Fotolia.com

Das Alter des Wals läßt sich bis mit Hilfe des Ohrenschmalzpfropfens auf sechs Monate genau bestimmen. Die Konzentrationen von Hormonen oder Chemikalien innerhalb einer Schicht verraten den Wissenschaftlern, ob das Tier beispielsweise in einem Meeresgebiet lebte, das von einer Ölpest betroffen war. Oder ob der Wal besonders gestresst war.



25 Zentimeter Schmalzpfropfen eines Blauwals

Im vergangenen Jahr entfernten Forscher der Baylor Universität (Baco, US-Bundesstaat Texas) einem toten Blauwal einen immerhin 25 Zentimeter Schmalzpfropfen aus dem Gehörgang. Die Wissenschaftler wollten ein chemisches Profil des Meeresgiganten erstellen und untersuchten das Ohrenschmalz schichtweise nach dem Sexualhormon Testosteron, dem Stresshormon Cortisol sowie nach Pestiziden und Öl. Ziel der Studie war es, Informationen über Umwelteinflüsse und die allgemeine Entwicklung von Walen zu sammeln. Außerdem kann die Ohrenschmalzanalyse Hinweise auf die Auswirkung des Menschen auf das Meer und die Wale geben.

Der Blauwal war etwa 12 Jahre alt, als er durch die Kollision mit einem Frachtschiff starb. Hohe Konzentrationen von Testosteron und Cortisol in noch recht jungen Schmalzschichten verrieten dem Forscherteam, dass der Wal mit etwa 10 Jahren geschlechtsreif wurde.

Pestizide in der Muttermilch

Vor allem während seines ersten Lebensjahres war das Tier einer sehr starken Pestizidbelastung ausgesetzt. Vermutlich hat er diese Schadstoffe mit der Muttermilch von seiner Mutter übertragen bekommen.

Walohren sind von außen nur als kleine Löcher zu sehen. Sie haben keine Ohrmuscheln, weil dadurch die hydrodynamische Form der Tiere gestört würde. Der Gehörgang mit dem gigantischen Ohrenschmalpfropfen befindet sich zwischen der Ohröffnung und dem inneren Hörorgan. Ob durch das gesammelte Ohrenschmalz das Hörvermögen der Wale immer schlechter wird, wurde bisher noch nicht wissenschaftlich untersucht.

Der Blauwal (Balaenoptera musculus) gehört zu den Bartenwalen, ist kein Fisch sondern ein Säugetier und das schwerste und größte Tier, das jemals auf unserer Erde lebte. Die größten Exemplare sind 33 Meter lang und wiegen um die 200 Tonnen. Das ist so viel, wie 40 Elefanten zusammen auf die Waage bringen!

Stark gefährdete Meeresgiganten mit winziger Nahrung

Dabei ernähren sich diese Meeresgiganten von vergleichsweise winzigen Tieren: ein Blauwal-Magen kann etwa 2 Tonnen Krill aufnehmen. Das sind winzige, garnelenartige Krebstierchen, die zum Zooplankton gehören und riesige Schwärme bilden. Neben einem riesigen Magen hat der Baluwal auch ein entsprechendes Herz, das so groß wie ein Auto ist.



Durch die massive Waljagd kam es zu einem drastischen Rückgang der Blauwalpopulation. Noch um das Jahr 1920 schätzte man den Weltbestand auf über 220.000 Tiere, davon etwa 90 % in den südlichen Meeren. 40 Jahre später waren es nur noch 1.000–3.000 Tiere. Erst seit 1967 sind die Wale durch ein Jagdverbot von der Internationalen Walfangkommission IWC geschützt. Heute wird die Gesamtpopulation auf 10.000-20.000 Tiere geschätzt. Durch den Klimawandel, die Verschmutzung der Meere und den immer stärker werdenden Schiffsverkehr sind die Blauwale aber auch heute noch stark gefährdet.

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